Psychotherapie

oder: wenn die seele Behandlung braucht

Was ist eine psychische Störung?

Bei einer psychischen Störung kommt es zu Schwierigkeiten im Denken, Fühlen, Erleben und Handeln. Dabei handelt es sich nicht um willentlich gesteuerte Prozesse, die man durch mehr Anstrengung verändern kann ("reiß dich halt zusammen, dann wird das schon wieder"). Vielmehr handelt es sich um ernst zu nehmende Erkrankungen, welche ohne Behandlung nicht einfach wieder verschwinden.

Eine psychische Störung muss, ähnlich wie eine körperliche Erkrankung, mittels geeigneter Verfahren diagnostiziert und behandelt werden. Zur Diagnose stehen geleitete Gespräche sowie die Anwendung und Auswertung von störungsspezifischen Fragebögen oder Interviews zur Verfügung.

 

Psychische Störungen, wie sie in der "International Classification of Diseases" (ICD-10) im Kapitel 5 definiert werden, sind im Allgemeinen gekennzeichnet durch:

  • klar definierte Symptome
  • einen erhöhten Leidensdruck, welcher zu erheblichen Einschränkungen im privaten, beruflichen und/ oder sozialem Umfeld führt
  • eine klar definierte Zeitspanne des Auftretens der Beschwerden
  • das Mangeln einer körperliche Ursache für die Beschwerden

Die häufigsten psychischen Störungen sind:

  • Depressionen
  • Angsterkrankungen
  • Suchterkrankungen
  • Essstörungen

Wie erfolgt die Behandlung?

Häufig sind es nicht die Dinge an sich, die uns beunruhigen, sondern unsere Überzeugungen, die wir von ihnen haben. Erschwerend kommt hinzu, dass uns der Ursprung dieser Überzeugungen sowie die Angemessenheit für das aktuelle Leben häufig nicht bewusst ist!

 

So kommt es oft vor, dass Menschen nicht verstehen, warum sie immer wieder unter den gleichen oder zumindest ähnlichen Problemen leiden, während "alle Anderen um sie herum" diese Probleme nicht zu haben scheinen und vermeintlich glücklich sind. 

 

Immer dann, wenn eine kurzfristige Beratung nicht mehr ausreicht, um Probleme zu bewältigen und somit die  Lebensqualität wieder herzustellen, bzw. wenn aus psychosozialen Schwierigkeiten ernst zu nehmende behandlungsbedürftige psychische Störungen (wie Depressionen oder Angsterkrankungen) entstanden sind, ist es notwendig, diese im Rahmen einer Psychotherapie mittels spezieller Techniken zu behandeln. Zwar gibt es immer mal wieder "Spontanremissionen", in der Regel sind diese aber nicht zu erwarten. Verständlich wird das durch das sogenannte "bio-psycho-soziale Modell" zur Genese (also zur Entstehung) psychischer Störungen. Nach diesem Modell liegt die Ursache für die Entwicklung psychischer Erkrankungen in der biologischen und/oder psychischen Veranlagung sowie den sozialen Bedingungen. Anders ausgedrückt: psychische Störungen entstehen dann, wenn die sozialen Bedingungen und/oder die Bewältigungsmöglichkeiten der Person nicht geeignet sind, um mit den Anforderungen angemessen um zu gehen. Unsere soziale Umwelt wie auch unsere individuellen Bewältigungsmöglichkeiten sind in der Regel fest in unserem Leben verankert und ändern sich nicht ohne Weiteres. Somit verschwindet auch eine psychische Störung nicht einfach so wieder.

In der Psychotherapie erhalten Sie Informationen zu Ihrer Erkrankung und warum gerade Sie zum jetzigen Zeitpunkt genau diese Störung entwickelt haben.  Sie lernen Ihre bisherigen Bewältigungsstrategien kennen und erarbeiten im sicheren Rahmen neue und adäquatere Techniken, um mit Ihren Schwierigkeiten fertig zu werden. 

Da psychische Störungen nicht über Nacht entstehen, dauert auch ihre Behandlung länger. Denn der Weg zur Selbsterkenntnis ist oftmals steinig und braucht seine Zeit. Hat dann der Wissenszuwachs im Rahmen der Psychoedukation zu einem besseren Verständnis der individuellen Probleme geführt, stehen Ihnen nach der Analyse ihres bisherigen Verhaltens und einer Anpassung dessen dann bessere Strategien im Umgang mit ihren Problemen zur Verfügung, kommt es darauf an, diese auch im Alltag zu erproben, eventuell neuerlich anzupassen und zu festigen.